Die Periode der "Gruppe '70" (1960-1968)

 

Eine besonders auffallende Neuerung nach der Pfeifenperiode war zweifellos die Neuentdeckung der Menschendarstellung, die in seinen Werken wieder in den Vordergrund rückte. Von 1959 bis 1962 widmete sich der Künstler fast ausschließlich der einfarbigen Malerei. Seine ersten monochromen Bilder waren zum größten Teil schwarz, sie wurden in der Technik des Abdruckes realisiert. Rote oder weiße Bilder waren viel seltener. Später, 1967, schuf er hingegen eine Reihe von weißen Reliefmonochromen. 

In diesen Jahren unterhielt Bueno Beziehungen zu vielen Künstlern seiner Generation, die wie er in Florenz arbeiteten. 1959 bildete sich eine Gruppe, die "Neue Figuration" genannt wurde. Sie vereinigte solche Künstler wie Loffredo, Vinicio Berti, Gualtiero Nativi, Alberto Moretti und Leonardo Ricci. Bald wurde auch eine sie betreuende Galerie gefunden - die "Quadrante", deren Kunstdirektor Bueno wurde. 

Die "Quadrante" organisierte im Laufe von drei Jahren der eigenen Existenz Ausstellungen von Qualität, an denen die besten Vertreter der italienischen Avantgarde teilnahmen und die von äußerst bekannten Kritikern, wie z.B. Argan betreut wurden. Sehr bemerkenswert war eine der "Neuen Figuration" gewidmete internationale Ausstellung, die Bueno 1962 in den Räumen des Palazzo Strozzi organisierte. Alle diese Initiativen brachten Antonio Bueno nach vielen Jahren der vollkommenen Isolierung wieder in den Mittelpunkt des künstlerischen Lebens. Die Lokalpresse ignorierte aber die "Quadrante" weiterhin und rezensierte keine einzige Ausstellung der Gruppe, deren Mitglieder auf diese Weise in einer Atmosphäre der Gleichgültigkeit arbeiten mussten. Um die Aufmerksamkeit auf die eigene Tätigkeit zu ziehen, gründeten sie eine Zeitschrift unter dem Titel "Das Bulletin der Quadrante" ("Bollettino di Quadrante").

Nun besann sich Bueno, dass er für die Rolle des Förderers und Provokateurs geeignet war. Im Jahre 1963 wurde er zu einem der Schöpfer des neuen Ressemblement der Künstler, der "Gruppe '70". Ihr Sitz wurde die Buchhandlung Feltrinelli in Florenz. Die "Gruppe '70" nahm vor allem die "Quadrante" auf. Dann schlossen sich auch die Musiker Giuseppe Chiari und Sylvano Bussotti und die Dichter Lamberto Pignotti und Eugenio Miccini der Gruppe an. Der neue Bund unterhielt Beziehungen zur zeitgenössischen "Gruppe '63". Diese vereinigte aber nur die Vertreter der literarischen Avantgarde, während die Gruppe von Bueno auf eine breitere interdisziplinäre Zusammenarbeit abzielte.

Von Anfang an beschäftigte sich die Gruppe mit der Theorie und Praxis der "technologischen" Kunst, die auf kommerziellen, journalistischen und Werbematerialien basierte. Andere Anspielungen auf die Pop Art waren die Comics, wie z.B. Homo tecnolgicus und Preistoria contemporanea, an denen auch Bueno mitgearbeitet hat. 

Die "Gruppe '70" existierte bis 1968. In diesem Zeitabschnitt (1963-1968) organisierte sie von Zeit zu Zeit Ausstellungen und andere Veranstaltungen in vielen Städten Italiens. Neben der Teilnahme an diesen Veranstaltungen, fand Bueno auch für andere Unternehmungen Zeit. Im Jahre 1965 schuf er z.B. eine Reihe von Comics mit Texten von Emilio Isgrô und auch Proben der "Audiomalerei", die mit der Schreibmaschine ausgeführt wurden. Im Jahre 1966 kam der Antipreis "Fata" (ironische Nachahmung des Preises "Strega") an die Reihe. Diese Aktion, die Bueno zusammen mit Umberto Eco geplant und realisiert hatte, sollte die Künstler bestrafen, die unverdiente Anerkennung genossen. Im selben Jahr beschäftigte sich Bueno in Zusammenarbeit mit seinen Kollegen Loffredo und Moretti mit einer Art "Malerei als Meterware" ("pittura a mettraggio"). Sie wurde auf einer endlosen Menge eingerollter Leinwand ausgeführt, die dann geschnitten und meterweise verkauft wurde. Man organisierte auch eine merkwürdige Ausstellung dieser Malerei in der Galerie "L'Indiano" in Florenz.

Die oben beschriebene ununterbrochene Tätigkeit, die Bueno sowohl allein als auch in der Gruppe ausübte, brachte ihm überhaupt keinen Gewinn. Seine ganze Energie und Ideen, die er der Avantgarde widmete, wurden nur mit Achtung und Respekt belohnt. Um sich selbst und seine Familie zu unterhalten, musste er sich auch an eine andere Art von Malerei wenden. So führte Bueno in einem bestimmten Sinne ein Doppelleben. Am Tage reiste er durch Italien mit herausfordernden und sensationellen Ausstellungen und nachts musste er sich in seinem kleinen Atelier einschließen und dort, anstatt zu schlafen, besser verkaufbare Bilder malen.

Unter seinen "kommerziellen" Bildern waren die Frauengesichter und Figuren, die der Künstler seit den fünfziger Jahren malte, besonders bekannt und verbreitet. Früher tauchten diese Gesichter nur gelegentlich in Werken des Malers auf, in Kombination mit Pfeifen und anderen Gegenständen. Ab 1958, als die "Pfeifensaison" zu Ende war, wurden die Frauengesichter zum Hauptthema seiner ans Publikum gerichteten Malerei. So begann Bueno eine lange und glückliche Bilderreihe der "Variationen über ein Thema". Aber für lange Zeit hielt der Maler diese Richtung seines Schaffens für unbedeutend, fast unanständig und vermied es, diese Bilder auf wichtigen Ausstellungen zu zeigen.